Mineralfaserplatte und Akustikschaum im direkten Materialvergleich
Bild: Wohnstoffkunde

Bodenbeläge

Teil von Wie lässt sich Akustikmaterial für Wand, Decke und Boden einsetzen?

Akustikschaum oder Mineralfaser im Vergleich bei Brandklasse und Absorption

Akustikschaum oder Mineralfaser im Vergleich: Brandklassen nach DIN EN 13501-1, Absorptionsgrade, Faserfreisetzung nach TRGS 521 und Preise je Quadratmeter.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mineralfaser erreicht üblicherweise A1 oder A2-s1,d0, Akustikschaum aus Polyurethan meist B-s1,d0 bis E.
  • Mineralfaserplatten mit 50 Millimetern Dicke kommen häufig auf einen bewerteten Absorptionsgrad von 0,90 und mehr.
  • Akustikschaum dämpft hohe Frequenzen stark, tiefe Frequenzen erst mit größerer Dicke und Wandabstand.
  • Für alte Mineralwolle aus Gebäuden vor dem Jahr 2000 gilt die TRGS 521 mit Schutz- und Entsorgungspflichten.
  • Bruttopreise 2025 je QuadratmeterAkustikschaum etwa 18 bis 35 Euro, Mineralfaserplatte etwa 8 bis 20 Euro.

Brandklassen nach DIN EN 13501-1

DIN EN 13501-1 ordnet Bauprodukte in die Klassen A1, A2, B, C, D, E und F ein. Die Zusatzklassen s1 bis s3 bewerten die Rauchentwicklung, die Klassen d0 bis d2 das brennende Abtropfen. Landesbauordnungen verlangen in Rettungswegen je nach Gebäudeklasse schwerentflammbare oder nichtbrennbare Baustoffe.

Mineralfaser aus Steinwolle oder Glaswolle wird in der Regel als A1 oder A2-s1,d0 eingestuft. Der Schmelzpunkt liegt weit über 1000 Grad Celsius, das Material brennt nicht. Akustikschaum aus Polyurethan erreicht je nach Rezeptur B-s1,d0 oder C-s1,d0, einfache Ware nur D bis E.

Der Normenausschuss Bauwesen beim DIN betreut die Normen für Bauprodukte und ihre Klassifizierung. Die alte Kennzeichnung schwerentflammbar nach DIN 4102-1 B1 ist keine A2-Klasse nach DIN EN 13501-1. Wer Unterlagen prüft, liest die Brandklasse im Verwendbarkeitsnachweis nach und nicht im Prospekttext.

Absorption: Absorptionsgrad und Frequenzbereich

Der bewertete Schallabsorptionsgrad nach DIN EN ISO 11654 fasst das Verhalten über die Oktavbänder von 250 bis 4000 Hertz zusammen. Offenporige Materialien wandeln Schallenergie in Wärme um, sobald die Luft im Porenraum schwingt.

Mineralfaser erreicht mit 50 bis 100 Millimetern Dicke Werte von 0,90 bis 1,00. Akustikschaum mit 30 Millimetern liegt bei etwa 0,50 bis 0,65, mit 50 Millimetern bei etwa 0,75 bis 0,85. Der Schaum wirkt vor allem bei mittleren und hohen Frequenzen.

Ein Hohlraum hinter der Platte verbessert die Absorption tiefer Töne bei beiden Materialien. Für die Planung zählt der Wert im eingebauten Zustand, nicht der Laborwert der Einzelplatte.

Für Arbeitsräume gilt der Anhang der Arbeitsstättenverordnung: Der Schallpegel ist so niedrig zu halten, wie es nach Art des Betriebs möglich ist. Diese Anforderung betrifft den Raum, nicht das einzelne Produkt.

Vergleichstabelle für 50 Millimeter Dicke

Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für handelsübliche Platten, brutto, Stand 2025.

Akustikschaum vs. Mineralfaser 50 mm

Akustikschaum

Brandklasse
B-s1,d0 bis E
Absorptionsgrad
0,75 bis 0,85
Faserfreisetzung
keine
Preis je m²
18 bis 35 Euro
Übliche Stärke
30 bis 50 mm

Mineralfaser

Brandklasse
A1 bis A2-s1,d0
Absorptionsgrad
0,90 bis 1,00
Faserfreisetzung
möglich
Preis je m²
8 bis 20 Euro
Übliche Stärke
50 bis 100 mm

Akustikschaum

Brandklasse nach DIN EN 13501-1
B-s1,d0 bis E
Bewerteter Absorptionsgrad
0,75 bis 0,85
Faserfreisetzung
keine
Preis je Quadratmeter
18 bis 35 Euro
Übliche Stärke
30 bis 50 Millimeter

Mineralfaser

Brandklasse nach DIN EN 13501-1
A1 bis A2-s1,d0
Bewerteter Absorptionsgrad
0,90 bis 1,00
Faserfreisetzung
möglich, besonders bei alter Ware
Preis je Quadratmeter
8 bis 20 Euro
Übliche Stärke
50 bis 100 Millimeter

Faserfreisetzung, Staub und Gesundheit

Beim Schneiden von Mineralfaser entsteht Staub. Für neue Produkte mit geringer Biopersistenz gilt der allgemeine Staubgrenzwert der TRGS 900 von 1,25 Milligramm je Kubikmeter für alveolengängigen Staub. Beide Materialien lassen sich mit Absaugung staubarm verarbeiten.

Hinweise zu Gefahrstoffen bei Bau- und Reinigungsarbeiten bündelt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Für alte Mineralwolle, die vor dem Jahr 2000 eingebaut wurde, gilt zusätzlich die TRGS 521. Sie verlangt abgesaugte Arbeitsbereiche, Persönliche Schutzausrüstung und eine geregelte Entsorgung der Faserabfälle.

Akustikschaum setzt keine Fasern frei. Polyurethan kann nach dem Einbau flüchtige organische Verbindungen abgeben. Das Umweltbundesamt bewertet Innenraumluft mit Richtwerten und liefert damit die Grundlage für die Beurteilung.

Kosten 2025: Beispielrechnung für 60 Quadratmeter Decke

Die Preise hängen von Format, Klebstoff, Brandklassennachweis und Abnahmemenge ab. Die folgende Rechnung ist ein Beispiel für einen Besprechungsraum mit 60 Quadratmetern Deckenfläche, brutto, Stand 2025.

Kosten 2025: Beispielrechnung

  • 25Euro je QuadratmeterAkustikschaum, 30 Millimeter, selbstklebend, B-s1,d0
  • 50Mineralfaserplatte, Millimeter, A2-s1,d0: 12 Euro je Quadratmeter, also 720 Euro für die Fläche.
  • 15Montage und Unterkonstruktion

In Flucht- und Rettungswegen scheidet Akustikschaum häufig aus, weil dort A2-s1,d0 gefordert wird. Der Preisvorteil wird dann gegenstandslos. Übrig bleiben Mineralfaser und andere mineralische Absorber.

Bei großen Flächen sinkt der Quadratmeterpreis, bei Sonderformaten steigt er. Angebote sollten die Brandklasse und die Deklaration der Faserfreisetzung immer ausweisen.

Häufige Fragen

Reicht schwerentflammbar nach B1 für Akustikschaum in Fluchtwegen?

B1 ist eine Klassifizierung nach DIN 4102-1. Viele Landesbauordnungen verlangen in Fluchtwegen A2-s1,d0 nach DIN EN 13501-1. Maßgeblich ist der Verwendbarkeitsnachweis des Bauprodukts.

Welcher Absorptionsgrad genügt für gute Sprachverständlichkeit?

Für Büros und Besprechungsräume werden häufig Absorptionsgrade ab 0,60 angesetzt. Mineralfaser mit 50 Millimetern liegt deutlich darüber, Akustikschaum mit 30 Millimetern oft darunter.

Wann gilt die TRGS 521?

Sie gilt für Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit alter Mineralwolle, die vor dem Jahr 2000 eingebaut wurde. Sie regelt Absaugung, Schutzausrüstung und Entsorgung.

Welche gesundheitlichen Risiken sind bekannt?

Neue biolösliche Mineralfasern gelten als wenig kritisch, Staub bleibt trotzdem zu begrenzen. Polyurethanschaum kann flüchtige organische Verbindungen abgeben. Für Innenräume gelten die Richtwerte des Umweltbundesamtes.

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