
Bodenbeläge
Teil von Wie lässt sich Akustikmaterial für Wand, Decke und Boden einsetzen?
Akustikmaterial für Wohnräume: Grundlagen zu Schallabsorption und Nachhall
Nachhallzeit, Absorptionsgrad, äquivalente Absorptionsfläche: Wie Akustikmaterial in Wohnräumen wirkt, mit Beispielrechnung und Zielwerten nach DIN.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nachhallzeit TZeit in Sekunden, in der der Schallpegel nach dem Abschalten der Quelle um 60 Dezibel fällt.
- Absorptionsgrad AlphaAnteil der Schallenergie, den eine Fläche aufnimmt, zwischen 0 und 1.
- Äquivalente Absorptionsfläche AFläche mal Absorptionsgrad, summiert über alle Bauteile, in Quadratmetern.
- Zielkorridor Wohnraum 0,4 bis 0,6 Sekunden, Homeoffice 0,3 bis 0,5 Sekunden.
- Messung im Hallraum nach DIN EN ISO 354, Produktangabe als bewerteter Absorptionsgrad.
Warum ein Wohnzimmer hallt und ein anderes nicht
Warum klingt ein leeres Zimmer hohl, dasselbe Zimmer mit Sofa, Teppich und Vorhängen aber angenehm? Der Unterschied steckt in den Oberflächen. Estrich, Putz, Fliesen und Glas werfen Schall fast vollständig zurück. Poröse, weiche Flächen nehmen ihn auf und wandeln ihn in Wärme um.
Die Nachhallzeit fasst diesen Effekt in einer Zahl zusammen. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis der Schallpegel nach dem Abschalten einer Quelle um 60 Dezibel gefallen ist.
Überschlägig rechnet man mit der Sabine-Formel: T = 0,163 x V / A. Dabei ist V das Raumvolumen in Kubikmetern und A die äquivalente Absorptionsfläche in Quadratmetern. Ein Wohnzimmer mit 30 Quadratmetern Grundfläche erreicht mit ausschließlich harten Flächen leicht 2,5 Sekunden Nachhall.
Absorptionsgrad: harte und weiche Oberflächen im Vergleich
Der Absorptionsgrad beschreibt, welchen Anteil des auftreffenden Schalls eine Fläche schluckt. Er liegt zwischen 0 und 1. Poröse Materialien wie Akustikvlies oder Schaumstoff wirken vor allem bei mittleren und hohen Frequenzen. Tiefe Töne brauchen dickere Aufbauten oder Resonanzabsorber.
Absorptionsgrad bei 500 Hertz
Harte Oberfläche
- Beton, Fliesen, Glas
- 0,01 bis 0,05
- Parkett auf Estrich
- 0,05 bis 0,10
- Teppichboden
- —
- Schwere Gardine
- —
- Akustikvlies 30 mm
- —
Weiche Oberfläche
- Beton, Fliesen, Glas
- —
- Parkett auf Estrich
- —
- Teppichboden
- 0,30 bis 0,50
- Schwere Gardine
- 0,40 bis 0,60
- Akustikvlies 30 mm
- 0,70 bis 0,90
Absorptionsgrad im Vergleich
| Oberfläche | Absorptionsgrad bei 500 Hertz (Richtwert) |
|---|---|
| Beton, Fliesen, Glas | 0,01 bis 0,05 |
| Parkett auf Estrich | 0,05 bis 0,10 |
| Teppichboden | 0,30 bis 0,50 |
| Schwere Gardine mit Falten | 0,40 bis 0,60 |
| Akustikvlies oder Mineralfaser, 30 Millimeter | 0,70 bis 0,90 |
Rechenbeispiel für ein 30 Quadratmeter großes Wohnzimmer
Als Beispiel dient ein Raum von 5,0 auf 6,0 Meter bei 2,50 Meter Höhe. Boden und Decke messen je 30 Quadratmeter, die Wände rund 55 Quadratmeter, nach Abzug von Fenster und Tür bleiben etwa 50 Quadratmeter. Die Gesamtfläche liegt bei 110 Quadratmetern, das Volumen bei 75 Kubikmetern.
Ohne Absorptionsmaßnahmen ergibt sich eine äquivalente Absorptionsfläche von etwa 4,5 Quadratmetern. Die Nachhallzeit liegt dann bei rund 2,7 Sekunden.
Mit Teppichboden auf 12 Quadratmetern, einer schweren Gardine auf 6 Quadratmetern und acht Akustikplatten von je 0,5 Quadratmetern steigt die Absorptionsfläche auf etwa 18 Quadratmeter. Die Nachhallzeit sinkt auf ungefähr 0,7 Sekunden. Für 0,5 Sekunden müsste die absorbierende Fläche auf rund 24 Quadratmeter wachsen.
Messverfahren und Zielwerte nach Normen
Prüflabore bestimmen den Absorptionsgrad im Hallraum nach DIN EN ISO 354. Gemessen wird die Nachhallzeit einmal mit und einmal ohne Prüfobjekt, aus der Differenz ergibt sich der Absorptionsgrad je Terzband. Für Datenblätter entsteht daraus der bewertete Absorptionsgrad nach DIN EN ISO 11654. Das Normenwerk für Bauprodukte betreut der DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau).
Zielwerte für die Hörsamkeit nennt DIN 18041. Für Wohnräume hat sich in der Praxis ein Korridor von 0,4 bis 0,6 Sekunden bei mittleren Frequenzen etabliert. Wer im Homeoffice arbeitet, findet bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zu Arbeitsstätten Hinweise zu den Anforderungen an Arbeitsräume, zu denen auch der Schallschutz gehört.
Bei der Materialwahl lohnt ein zweiter Blick. Absorber aus Kunststoffschäumen und Verbundplatten können flüchtige organische Verbindungen abgeben. Das Umweltbundesamt zu Innenraumluft erläutert, wie solche Belastungen bewertet werden. Mineralische oder textile Absorber lassen sich zudem häufig nachträglich einbauen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass mein Wohnzimmer zu hallig ist?
Ein Klatschtest liefert eine erste Einschätzung. Klingt das Klatschen deutlich nach, liegt die Nachhallzeit meist über einer Sekunde. Für belastbare Werte ist eine Messung durch ein Fachbüro nötig. Als Richtwert für Wohnräume gelten 0,4 bis 0,6 Sekunden.
Reicht ein Teppich in einem 30 Quadratmeter großen Wohnzimmer?
Ein Teppichboden auf 12 Quadratmetern bringt rechnerisch etwa 4 Quadratmeter äquivalente Absorptionsfläche. Für einen Zielwert von 0,5 Sekunden sind zusätzlich Absorber an Wand oder Decke erforderlich. Teppich allein senkt die Nachhallzeit nur selten unter eine Sekunde.
Was unterscheidet Absorptionsgrad und äquivalente Absorptionsfläche?
Der Absorptionsgrad ist eine Materialeigenschaft ohne Einheit. Die äquivalente Absorptionsfläche verrechnet diesen Wert mit der tatsächlich belegten Fläche und wird in Quadratmetern angegeben. Nur sie geht in die Berechnung der Nachhallzeit ein.
Wie wird der Absorptionsgrad offiziell gemessen?
Im Hallraum nach DIN EN ISO 354. Gemessen wird die Nachhallzeit mit und ohne Prüfobjekt, daraus ergibt sich der Absorptionsgrad. Produktangaben nutzen den bewerteten Absorptionsgrad nach DIN EN ISO 11654.



