
Bodenbeläge
Teil von Wie lassen sich Bodenbeläge für Wohnräume vergleichen und auswählen?
Vinyl und Laminat: Unterschiede bei Nutzungsklasse, Feuchte und Trittschall
Vinyl oder Laminat im Vergleich: Nutzungsklassen 21 bis 23 und 31 bis 33, Quellverhalten bei Feuchte, Trittschallminderung in Dezibel und Rückbauaufwand.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nutzungsklassen 21 bis 23 stehen für Wohnräume, 31 bis 33 für Objektflächen.
- Laminat hat einen Holzfaserkern und quillt bei Wasser an den Fugen auf.
- Vinyl basiert auf PVC und ist meist feuchtebeständiger, aber nicht automatisch wasserdicht.
- Die Trittschallminderung in Dezibel gilt nur für das geprüfte Gesamtsystem aus Belag und Unterlage.
- Schwimmend verlegte Böden lassen sich leichter zurückbauen als vollflächig verklebte.
Was die Nutzungsklassen 21 bis 23 und 31 bis 33 aussagen
Die erste Ziffer der Nutzungsklasse beschreibt den Bereich: 2 für Wohnräume, 3 für Objektflächen, 4 für Industrie. Die zweite Ziffer stuft die Intensität ab: 1 für gering, 2 für normal, 3 für stark. Klasse 23 bedeutet starke Nutzung im Wohnbereich, Klasse 33 starke Nutzung im Objektbereich.
Nutzungsklassen nach Bereichen
Klasse
- 21
- Wohnraum
- 22
- Wohnraum
- 23
- Wohnraum
- 31
- Objekt
- 32
- Objekt
- 33
- Objekt
Bereich
- 21
- gering
- 22
- normal
- 23
- stark
- 31
- gering
- 32
- normal
- 33
- stark
Intensität
- 21
- 22
- 23
- 31
- 32
- 33
Die Einteilung stammt aus DIN EN 685 und wird heute in DIN EN ISO 10874 geführt. Die Normenausschüsse im DIN beschreiben die Klassifizierung von Bodenbelägen und die zugehörigen Prüfverfahren.
Laminat wird überwiegend in den Klassen 31 bis 33 angeboten. Vinyl deckt ein breiteres Feld ab: Klickvinyl liegt häufig bei 23 bis 33, vollflächig verklebte CV-Beläge erreichen 41 bis 43.
Ein Boden der Klasse 23 deckt übliche Wohnnutzung ab, ein Boden der Klasse 33 hält zusätzlich Stuhlrollen und Dauerbetrieb aus. Hersteller nennen beim Laminat zusätzlich Abriebklassen wie AC3 bis AC5.
Feuchte und Quellverhalten: der zentrale Werkstoffunterschied
Laminat besteht aus einer Trägerplatte aus Holzfasern, meist HDF, mit Dekorschicht und Nutzschicht. Der Kern nimmt Wasser auf und quillt. Stehendes Wasser an den Fugen führt zu dauerhaften Aufwölbungen, die sich nicht zurückbilden.
Vinyl besteht aus PVC-Schichten. Der Kern ist feuchteunempfindlich, solange kein Holzanteil enthalten ist. Bei WPC mit Holzanteil im Kern ist die Quellneigung geringer als bei Laminat, aber vorhanden. SPC mit Steinpulver verhält sich formstabiler.
Für Bad, Waschküche und Hauswirtschaftsraum gibt der Hersteller die Freigabe. Feuchträume brauchen nach DIN 18534 eine Verbundabdichtung unter dem Belag. Schwimmende Verlegung ist dort meist nicht zulässig, weil Wasser unter den Belag laufen kann.
In Küche und Flur reicht meist ein feuchtebeständiger Belag, solange verschüttetes Wasser zeitnah aufgewischt wird.
Vinyl kann Weichmacher und andere Zusätze an die Raumluft abgeben, Laminat vor allem Formaldehyd aus Trägerplatte und Klebern. Wie solche Emissionen die Innenraumluft belasten, erläutert das Umweltbundesamt in seinen Informationen zur Innenraumluft.
Die Verbraucherzentrale zu Schadstoffen im Wohnbereich erklärt, welche Stoffe in Innenräumen auftreten und worauf Verbraucher bei Bauprodukten achten können. Eine pauschale Entwarnung für einen der beiden Beläge lässt sich daraus nicht ableiten.
Trittschall: Dezibel nur im Gesamtsystem bewerten
Die Trittschallminderung eines Belags wird als Verbesserungsmaß angegeben, häufig als ΔLw in Dezibel. Gemessen wird nach DIN EN ISO 10140, bewertet nach DIN EN ISO 717-2. Je höher der Wert, desto stärker die Minderung.
Ein Belag allein mindert den Trittschall kaum. Den größten Anteil liefern der schwimmende Estrich und die Deckenkonstruktion. DIN 4109-1 nennt für Wohnungstrenndecken einen bewerteten Norm-Trittschallpegel von höchstens 53 Dezibel.
Herstellerangaben für Unterlagen unter Laminat und Vinyl liegen je nach Aufbau im einstelligen bis unteren zweistelligen Dezibelbereich. Verbindlich ist nur der Wert aus dem bauakustischen Prüfzeugnis für den vollständigen Aufbau.
Verklebte Beläge mindern den Trittschall oft weniger als schwimmende Systeme mit Unterlage, weil die feste Verbindung zum Untergrund Schwingungen überträgt.
Vinyl und Laminat im Kriterienvergleich
Laminat
- Aufbau
- Holzfaserkern (HDF), Dekorschicht, Nutzschicht
- Gängige Nutzungsklassen
- 31 bis 33
- Feuchte
- quillt bei stehendem Wasser auf
- Verlegung
- schwimmend per Klick, teils verklebt
- Rückbau
- schwimmend aufnehmbar
Vinyl
- Aufbau
- PVC-Schichten, SPC- oder WPC-Kern
- Gängige Nutzungsklassen
- 23 bis 33, CV-Beläge bis 43
- Feuchte
- feuchtebeständig, WPC mit Holzanteil eingeschränkt
- Verlegung
- Klick oder vollflächig verklebt
- Rückbau
- verklebt nur durch Fräsen entfernbar
Rückbau, Wiederverwendung und Entsorgung
Schwimmend verlegtes Klickmaterial lässt sich in ganzen Dielen aufnehmen. Unbeschädigte Dielen können weiterverwendet werden. Ein Anspruch auf Abnahme durch einen Händler besteht nicht.
Vollflächig verklebtes Vinyl ist der aufwendigste Fall. Der Belag wird in Streifen geschnitten und mit Fräse oder Schleifer entfernt, Kleberreste müssen abgeschliffen werden. Staub und Lärm gehören dazu.
Bei Altbelägen aus der Zeit vor 1990 sind Kleber und Spachtelmassen vor dem Ausbau zu prüfen.
Laminat und Vinyl gelten bei der Entsorgung als Bau- oder Sperrmüll, nicht als Bioabfall. Die Verbraucherzentrale zu Abfall und Sperrmüll fasst die Regeln zusammen. Für PVC-Beläge gibt es ein herstellergetragenes Rücknahmesystem.
Häufige Fragen
Welche Nutzungsklasse ist für eine Mietwohnung sinnvoll?
Für Wohnräume genügen die Klassen 21 bis 23. Wer Kinder, Haustiere oder viel Bewegung einplant, fährt mit 23 oder 31 bis 33 längerfristig belastbarer.
Darf Vinyl ins Badezimmer?
Nur, wenn der Hersteller den Feuchtraumeinsatz freigibt. Verklebung und Abdichtung nach DIN 18534 sind dann üblich, schwimmende Verlegung gilt als riskant.
Wie viel Dezibel bringt eine Trittschallunterlage?
Das hängt vom Gesamtsystem ab. Aussagekräftig ist nur der Verbesserungswert im Prüfzeugnis für genau die Kombination aus Unterlage und Belag.
Wohin kommt alter Vinyl- oder Laminatboden?
In der Regel zu Sperrmüll oder zum Wertstoffhof. Die genauen Regeln legt die Kommune fest, Rücknahmesysteme der Hersteller können den Weg verkürzen.



